Ich gehöre zu den Menschen, Frauen, die wirklich oft ihren Kleidersschrank ausmisten. Grundsätzlich gilt: gibt es etwas Neues, muss in gleicher Anzahl oder mehr etwas Altes raus in die Altkleidersammlung, verschenkt werden oder in den Müll, weil es definitiv hinüber ist. Eine weitere mir selbst gesetzte Regel ist, dass alles, was nicht in den letzten zwei Jahren getragen wurde, aus meinem Schrank raus muss. Es gibt Ausnahmen: mein Dirndl, mein Abendkleid, Hosenanzug und Kleiderzeugs, das man einfach nicht so häufig im Gebrauch hat und man eines davon aber gelegentlich braucht. Aber auch da gilt: ist es über viele Jahre nicht getragen, muss dieses Teil wirklich ernsthaft auf den Prüfstand des Verbleibens in meinem Schrank. Dieser ist eh nicht sonderlich groß und daher bedarf es einer ständigen Kontrolle. Nicht täglich, aber alle paar Monate ist es dann wieder so weit.

Das Selbe gilt für Schuhe. Ich habe nicht so viele, weil Schuhe einkaufen für mich alles andere als Freude ist. Es gibt eine Marke, die passt, alle anderen passen meist nicht. Das nervt, der Spaßfaktor ist nicht vorhanden. Passt mir ein Paar, dann kauf ich auch schon mal zwei davon und lege eines in den Keller, damit ich mir einmal Schuhe einkaufen sparen kann! Kein Witz!

Das gleiche Prinzip betreibe ich in der Küche, im Kammerl, im Bücherregal und in den zwei großen Schubladen im Wohnzimmer. Wir hatten einmal Besuch und dann saßen wir auf der Couch und deren Blick streifte durch das übersichtliche und klar strukturierte Wohnzimmer und dann kam die Frage:

Wo habt ihr denn euren Krempel?

Mein Mann und ich sahen uns an, gaben uns ein „high five“ und sagten im Chor: WIR HABEN KEINEN KREMPEL. Das, was ihr seht, ist das was wir besitzen und unser 4 qm-Keller sieht gebenso aus. Die Reaktion unserer Gäste war ein verstörter und zu gleich neidischer Blick, der einen verbalen Ausdruck der Bewunderung und des zukünftigen Gleichtun nach sich zog.

AUSMISTEN in unserer Wohnung ist für mich nur ein Teilaspekt meines Lebens. Ich halte diese Ordnung in all meinen Lebensbereichen. Das Kommen und Gehen lassen von Menschen, Projekten und Situationen ist etwas, das mir Freiheit und Leichtigkeit gibt. Es gibt mir vorallem Zeit, über die ich bestimmen kann und nicht, auf Grund von Dingen und „gesellschaftlichen Verpflichtungen“ mir meine Zeit bestimmt wird. Es gibt mir Leichtigkeit, Freiheit und eine größt mögliche Gestaltungsmöglichkeit meines Lebens. Die Fremdbestimmung ist dadurch auf ein mir mögliches und annehmbares Minimum gesenkt.

Dadurch, dass ich mein Leben begonnen habe vor 15 Jahren gründlich auszumisten, habe ich heute ein sehr übersichtliches Leben und für mich sehr geschmeidiges Sein. Wie mein Kleiderschrank. Übersichtlich und luftig und alles vorhanden, was ich wirklich brauche. Nicht mehr und nicht weniger.

Es ist ein bisschen Arbeit, all das Unnötige hervorzunehmen, in den Händen zu halten, genau zu betrachten, ehrlich zu sich selbst zu sein und zu entscheiden, ob DAS, ES, SIE oder ER oder DIE (was immer es auch ist) noch in das eigene Leben passt.

Lassen Sie sich bitte nicht von Konventionen, Dogmen und gesellschaftlichen Normen oder Traditionen einreden, was für Sie in Ihrem Leben gut ist und Sie in Ihre Leichtigkeit und Freiheit und somit in ein glückliches Leben führt.  DAS KANN WIRKLICH NIEMAND FÜR SIE ENTSCHEIDEN!

Na, dann holen Sie mal das Klappleiterchen und fangen mal beim Kleiderschrank an, diesen richtig auszumisten! Viel Spaß dabei!

Herzlich Willkommen in der Freiheit

Nikola Knecht

Bildquelle: PixaBay