31. Januar 2019 – der letzte Tag, an dem WhatsApp werbefrei ist. Nun bekommt man dort auch noch eine Flut von Informationen für potentielle Konsumenten… ICH MÖCHTE DAS NICHT!

Der Artikel über Zeitautonomie hat mich wohl schon innerlich auf den Schritt, dem bekanntesten Nachrichtendienst der Welt CIAO zu sagen, eingestimmt. Wo man überall dabei sein soll: Xing, Facebook samt Messenger, LinkedIn, Instagram, Twitter und natürlich WhatsApp. Welch Irrsinn! Welch Masse an Zeit man mit diesen Digitalen Medien verbringt! Und mit welchem Effekt? Ein ständiges auf das Handy sehen, ob sich jemand gemeldet hat… Ob jemand etwas von mir will… Ob es ein Like oder gar ein Teilen eines Beitrages von mir gibt… Ob jemand schon geantwortet hat… Ganz offensichtlich macht man sein Wohlbefinden davon abhängig…

Wenn man ganz genau hineinspürt und ganz ehrlich zu sich ist, dann nimmt man die positive Stimmungsaufhellung wahr, die einem durch die sozialen Medien gegeben werden… Und bleibt das aus, dann sinkt die Stimmung. Und ganz Unglückliche fangen dann an, im anonymen Bereich des WWW auch noch zu stänkern…

In einem Beitrag der Fernsehserie Galileo von vor drei Jahren, kann man im Internet lesen, dass Probanten innerhalb von fünf Tagen zwischen 2.600 und über 5.000 Mal das Smartphone TÄGLICH angefasst/verwendet haben. Jedes Like, jedes Entsperren, jedes Tippen wurde separat gezählt. Das sind teilweise deutlich über drei Stunden am Tag! Jeden Tag 2.600 bis 5.000 Mal das Handy angrabschen… IRRE. Nicht ganz so schlimmt klingt dagegen, dass wir am Tag 88 Mal das Handy zu Hand nehmen und 53 Mal darauf eine Aktion folgt. Das ist zumindes in einem Artikel von DIE WELT vom 26.02.2016 zu lesen. Das klingt deutlich harmloser, ist es aber nicht. Es ist irre! Wir sind total irre und verlernen einen zwischenmenschlichen und persönlichen Umgang miteinander.

Ich übertreibe? Sicherlich nicht! Als meine Töchter in der Pubertät waren, haben sie versucht Beziehungs- und Freundesprobleme per WhatsApp zu lösen… Hat nie hingehauen. Ich kenne auch Erwachsene, die das heute noch tun. Ich weise einmal vorsichtig darauf hin, dass uns bei dieser Kommunikation einige ganz wichtige zwischenmenschliche Kommunikationsebenen fehlen: die Augen, die Mimik, die Körperhaltung, der Ton und die Lautstärke der Stimme. Das alles sagt viel mehr, als nur der geschriebene Text.

Ich habe eine Sendung gesehen, in welcher der Stress bei Probanten gemessen wurde, wenn das Handy sich regte… oder auch nicht regte…! In Summe kann ich nur schließen, dass dieses kleine Ding uns sowohl in ein Suchtverhalten drängt, als auch ein hoher Indikator für Stress und somit Krankheit ist. Durch den Stress werden Hormone ausgeschüttet, die es verhindern, dass wir in die Entspannung eintreten können. Wie soll man auch entspannen, wenn man im Durchschnitt 8 Mal die Stunde das Handy anfasst…? Und immer wenn etwas Tolles auf dem Handy ist, dann wird das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet und das macht glücklich. Wie einfach es doch ist glücklich zu sein? Einfach auf das Handy sehen… Dieses Glück ist etwa so gehaltvoll wie weißes Mehl: null Nährwert, sättigt nicht und führt zu immer mehr Verlangen nach Nachschub, was mehr und mehr krank macht… Sucht entsteht… Ob ich schon süchtig bin …?

Bereits vergangenes Weihnachten und Sylvester habe ich meine Kontakte frühezeitig gebeten, mich doch von einfach nur weitergeleiteten Sprüchen, Bildern und Videos zu verschonen. Überraschender Weise habe ich sehr viel Verständnis und sogar Zuspruch erhalten und dafür einige ganz persönliche Grüße und Wünsche. Erstaunlich – es gibt noch Menschen da draußen… Und nun, nach ZEITAUTONOMIE, Heilfasten, meinen privaten Facebook-Account auf total privat schalten und nahezu videofreie Jahreswechseltage setze ich noch einen oben drauf:

Ich habe am 31. Janur 2019 meinen WhatsApp-Account gelöscht. CIAO !!! Und bis ich alle meine Kontakte vorher darüber informiert hatte, konnte ich überraschender Weise während dessen nicht nur Verständnis, sondern sogar Wohlwollen als letzte erhaltene Nachricht von vielen erhalten. WOW. Damit habe ich nicht gerechnet.

Nun bin ich gespannt, wer sich telefonisch, per SMS oder per Mail bei mir meldet. Die, welches es tun, die haben mir dann vermutlich tatsächlich etwas Wichtiges oder wirklich Persönliches mitzuteilen. Ich freue mich schon sehr darauf.

Regelmäßige LeserInnen wissen, ich mag keine Extreme und kein Dogmatismus. „Ciao WhatsApp“ ist keine extreme Handlung. Es ist eine Handlung, um aus „meiner“ Extreme heraus zu kommen. Ich bin ja nicht weg aus den digitalen Medien. Ich bin immer noch digital zu erreichen und zwar wirklich easy! SMS und Mail bedürfen jedoch der Überwindung einer gewissen Schwelle, die wirklich aktives und bewusstes Handeln erfordert. Das einfach Weiterleiten eines Bildchens oder süßen Katzenvideos an 57 Leute gleichzeitig habe ich somit unterbunden. Wenn sich dadurch jemand pikiert fühlt… Ist nun mal so. Ich fühlte mich seit langem nicht mehr wohl, ungefragt, mit mir nicht wirklich dienlichen Informationen, einfach so konfrontiert zu werden.

Nun bin ich tatsächlich gespannt auf die nächsten Tage. Was macht es mit mir, wenn ich keinen Dopamin-Schuss mehr beim Blick auf mein Handy erhalte. Wie lange werde ich wohl dieses automatische Checken von „gibt es einen neue Nachricht für mich?“ noch beibehalten? So wie es aussieht, habe ich mich auf kalten Entzug gesetzt 🙂 Das bedeutet für mich…

… herzlich Willkommen in meiner Freiheit

Nikola Knecht

Nachtrag:

01.02.2019  – es ist so ruhig… Ich habe gelegentlich nachgesehen, ob mein Handy noch funktioniert. Zwei Klienten sagen mir bei ihrem Termin bei mir, dass sie es super finden, dass ich diesen Schritt vollzogen habe. Meine Tochter kennt in ihrem Alter viele die zwar jammern, dass all das Digitale nervt, die meisten jedoch nicht den „Mumm“ haben, eine aktive Entscheidung gegen das Generve zu treffen. Sie hätten Angst, nicht mehr dazu zugehören… !!!

02.02. 2019 – es ist soooo ruhig! Mein Handy funktioniert und die wirklich wichtigen Informationen, wie heute von einer Klientin, kommen per SMS. Es klappt

03.02.2019 – ich fasse mein Handy wirklich selten an. Scheint kein kalter Entzug zu werden, sondern ein sofortiges Freiheitsgefühl. YESSSS !

10.02.2o19 – es ist wirklich herrlich. Inzwischen kann ich das Handy sogar wieder auf Klingelton schalten, da es eben hin und wieder einen Anruf oder eine SMS gibt. Hatte ich mein Handy früher immer und überall dabei, lasse ich es heute liegen und verzichte ganz bewusst darauf. Kein Handy-Fummeln bei Tisch, kein unbewusstes Checken und sich dann ein bisschen beschämt selbst als „Oh, ich gehöre auch zu denen, die ständig ihr Handy benutzen“… entlarven.

Mein Fazit für mich nach knapp zwei Wochen: WARUM HABE ICH DAS NICHT SCHON VIEL FRÜHER GEMACHT !?!?!?

Bildquelle: PixaBay