Ich liebe Essen, Essgenuss und essen an sich. Ohhhh ich liebe es einfach! Ich konnte mir bis vor kurzem nicht vorstellen auch nur einen Tag lang nichts zu essen. No way, never ever!

Ich lese viel zu den Themen Gesundheit, Ernährung, Bewusstsein, Yoga und Psychologie. Die Zusammenhänge von Krankheit und Emotion faszinieren mich und daher ist diesbezüglich ein gewisser Forschergeist in mir erweckt worden. Das Buch von Prof. Andreas Michalsen Heilen mit der Kraft der Natur hat mich besondes gepackt. Denn ein Schulmediziner erforscht alternative Heilmethoden. Seine Favorit ist dabei … Yoga! Welche eine Freude für mich. Aber er ist ebenso ein Verfechter von Kneippanwendungen, anderen östlichen Gesundheitslehren und, ganz vorne dran, von Heilfasten!

Okay… der Typ ist klasse, fundiert, findet Yoga auf Grund von Forschungsergebnissen super und sieht Heilfasten als ein immens wichtiges Mittel bei der Heilung von Krankheiten. Okay… Professor – du hast mich! Ich werde Heilfasten!

Glücklicherweise bin ich rund um gesund und das mit der TÜV-Plakette von meinem Hausarzt. Blutbild, Blutdruck und alles andere bewegt sich in optimalen Werten, ich brauche also keine ärztliche Betreuung bei diesem Vorhaben. Wichtiger Hinweis – vorher immer den Check vom Doc machen lassen und bei Krankheiten besser Heilfasten in Begleitung von Fachkräften durchführen.

Ich plante für diese Zeit ein, keinerlei Termine zu haben. Weder in meiner Praxis, noch in der Kanzlei. Ich wollte zu Hause bleiben und diese Zeit wirklich als innere Einkehr, Zeit für Stille, Zeit für mich ohne äußere Ablenkungen definieren. Dieses Vorhaben schenkte ich mir zu meinem Geburtstag und am Tag zuvor begann ich mit dem Entlastungstag. Also nur Gemüsesuppe und Obst und viel trinken und dann, zum Abendessen, Glaubersalz in 500 ml Wasser mit Zitronensaft aufgelöst zur Darmentlehrung. Ganz wichtig! Dann wird das mit dem Hunger gar nicht dramatisch.

Eine feste Struktur ist vorgegeben durch: 2 – 3 Liter Trinken von Wasser und Kräutertee, 2 Teller Brühe am Tag, und ein Löffel Honig als Helferlein im Tee oder auch mal pur. Ich gab mir noch tägliches Yoga, Stille sitzen (Meditation) und einen täglichen Spaziergang als zusätzliche Aufgabe. Überraschend von selbst kam noch ein Putzanfall dazu, der dazu führte, dass nach einer Woche die Wohnung so blitzte, dass man bedenkenlos auf unserem Sofa eine offene Herz-OP hätte durchführen können!

Zusehen, wie Schneeflocken fallen, in sich gehen und Fragen stellen und um Antworten bitten, die einem weiterhelfen, achtsames Essen von Honig und Brühe, das Schmecken der unterschiedlichen Teesorten, das Beobachten des Atems, das fühlen der kalten Winterluft, Zeit zum Lesen, all das wurde zu einer immens intensiven Wahrnehmung, die mich bis heute sehr begeistert. Auch die von mir in beruflicher Hinsicht erhoffte Klärung stellte sich, in dieser bewusst darauf hin ausgerichtete Zeit, auf allen Ebenen meines Seins ein. Ich hatte dazu jedoch eine großartige Begleiterin, die mir half meine Gedanken dahingehend zu sortieren. Den Weg vom Hirn ins Herz zu diesem Thema durfte ich dann auch noch erleben.

Und das Erstaunlichste war, dass ich tatsächlich nie wirklich Hunger verspürte. Und wenn doch, Zitronen- oder Ingwerwasser trinken, köstlichen Tee zubereiten und trinken oder mittags und abends genüsslich Brühe löffeln. Wieviel Zeit man da auf einmal hat, wie sensetiv, wach, klar man wird und wie leicht der Weg nach Innen möglich ist! Ich bin sehr begeistert und fragte mich ernsthaft, warum ich das nicht schon viel früher gemacht habe!

Besuch hatte sich gegen Ende meiner Woche angekündigt und daher wollte ich mein Fastenbrechen ein wenig früher machen, als geplant. Ich empfand tatsächlich ein wenig Trauer darüber. Es war so schön nur mit mir zu sein. Der erste Apfel nach einer Woche war eine Geschmacksexplosion und ich schaffte überraschender Weise nur einen halben. Auch dauerte es fast zwei Wochen, bis ich zu einem annähernd normalem Essensmaß zurückfand.

Ich kann heute in einer seltsamen Art und Weise nachvollziehen, dass eine Magersucht möglich ist. Man fühlt sich tatsächlich irgendwie mächtig und die purzelnden Kilos motivieren… und man hat wirklich keinen Hunger! Das fand ich sehr erstaunlich.

Von Beginn an das Schlimmste war für mich, das köstliche Gemüse von meiner Gemüsebrühe zu entsorgen. Das finde ich ganz arg! Lebensmittel wegzuschmeißen wiederstrebt mir total. Das ist wirklich der einzige Wehmutstropfen, den ich am Fasten „schlucken“ musste…

Lustig war, dass ich jede Nacht von Essen träumt und ich kann mich sonst so gut wie nie an meine Träume erinnern. Und ich träumte von Lebensmittel, die eigentlich nicht zu meinem normalen Essen gehören: Brot, Kuchen und süße Teilchen. Jede Nacht träumte ich vom Essen… Aber damit kann man umgehen. Nach dem ersten Traum war ich total erleichtert, dass ich nicht in Wirklichkeit dieses Zeugs gegessen hatte!

Ich freue mich auf den November, denn dann werde ich wieder eine Woche Heilfasten.

Herzlich Willkommen in der Freiheit

Nikola Knecht

Bildquelle: PixaBay