Ja! Das ist ganz wunderbar. Ich kenne sehr gut den Unterschied zu „obwohl wir zu zweit sind, bin ich einsam“! Mit sich alleine sein zu können ist für Ungeübte oft sehr anstrengend. Manche halte es kaum ein paar Minuten mit sich alleine aus und werden ganz unruhig. Vor kurzem stand ich hinter einem Mann in der Schlange am Postschalter. Ich habe mitgezählt. Der konnte keine 15 Sekunden ruhig dastehen. Er war nicht nervös. Er konnte vermutlich einfach nicht Sein. Sich dem Augenblick hingeben. Stehen. Atmen. Still sein. Nur alle paar Minuten einen Schritt dem Schalter näher kommen.

Ich mag solche Augenblicke. Es sind für mich geschenkte Zeit-Sein-Oasen im strukturierten Alltag.

Gelegentlich bin ich für ein paar Tage alleine zu Hause, wenn mein Mann geschäftlich unterwegs ist. Ich liebe das. Es ist ganz ruhig. Einen Ferseher haben wir nicht und meist lasse ich dann auch die Musik aus. Es ist einfach nur still. Keine Ablenkung. Oft schaue ich zum Fenster hinaus und beobachte die Vögel oder wie sich die Blätter im Wind wiegen. Belustigt beobachte ich die Eichhörnchen, die 20 Meter über dem Boden mühelos von Baum zu Baum vermutlich fangen spielen und nie, wirklich nie das Gleichgewicht verlieren und meterweit „fliegen“ können. Ich schließe meine Augen und lausche meinem Atmen und entdecke immer wieder auf´s Neue seinen Weg. Erstaunlich, wie der Atem meinen ganzen Körper bewegt. Der Puls schlägt den Takt dazu und mein Chi/Prana kann ich strömen fühlen. Oft vergeht eine ganze Stunde und für mich ist das Meditation.

Nach einer langen Pause vom Üben der körperlichen Yoga-Asanas habe ich in eine regelmäßige Übungspraxis zurückgefunden, die mich mehr als nur beglückt. Fast täglich übe ich und fühle mich dabei, als hätte ich eine ganz aufregende und spannende Verabredung mit mir selbst. Mit einer sehr achtsamen und fast schon detektivischen Neugierde erkunde ich mit den Asanas meinen physischen Körper und gebe ihm die Dehnung und die Kraft, die sich mir aus mir heraus zeigt. Ich bin dabei ganz mit mir und ganz alleine.

Wenn ich in dieser Weise Yoga übe, dann bin ich glückselig mit mir allein zu sein.

Und das ist alles andere, als einsam sein. Aber das musste ich tatsächlich erst lernen und ich lernte es durch Yoga. Dieses „mit sich selbst glücklich sein“ geht auch, wenn mein Mann zu Hause ist und auch er hat die Fähigkeit alleine glücklich zu sein. Ich empfinde es als große Gnade, wenn ich mit ihm zu zweit alleine sein kann. Denn das geht nur mit einem Menschen, der innerlich frei und zufrieden ist.

Ich wünsche von ganzem Herzen wirklich jedem Menschen, dass er sich selbst der beste Freund ist. Denn dann ist man wirklich nie einsam.

Herzlich Willkommen in der Freiheit

Nikola Knecht

Bildquelle: PixaBay