Ich lese viel, versuche zu reflektieren und über Gelesenes nachzudenken. Ich versuche mich „RICHTIG“ zu verhalten bei so ziemlich allem, was es zu tun gibt. Beim Essen, Einkaufen, im Zusammensein mit meinen Mitmenschen, bei meiner Arbeit. Meistens gelingt mir das ganz gut und mein Alltag ist leicht. Ich bemühe mich um Toleranz und Akzeptanz, setze aber auch bewusst meine Grenzen und positioniere mich. Ich habe für mich ein Gleichgewicht gefunden, das mein Leben für mich absolut lebenswert sein lässt und ich wirklich glücklich und auch gesund bin.

Wohin gegen ich mir bei den Fragen zur Ethik, der Moral, der Ökologie und der Klimaverschmutzung zunehmend unsicherer werde. Stark damit verbunden ist immer der Konsum, welcher kaum zu vermeiden ist. Klar, ich kaufe meist ökologisch und biologisch. Aber ist es das auch? Die Logos für Nachhaltige Fischerei oder Landwirtschaft ist von deren Herstellern/Lobbyisten geschickt zu unserem Öko-Bewusstsein-Freifahrtschein in unsere Gehirne gepflanz worden. Der Film „Die grüne Lüge“ dokumentiert das eindeutig und es gibt viele weitere Berichte dazu. Es scheint mir, als hätte das Verwirrspiel von Werbung, Medien, Fake-News und alternativen Berichterstattungen nun auch bei mir irgendetwas gemacht, das mich verunsichert.

Ist das Öko-Label der Firma X wirklich öko und nicht auch nur so öko, wie das Öko-Label des Konzerns Y?

Ich merke, wie ich zunehmen in ein inneres Dilemma komme, da sogar notwendiger Konsum mich verunsichert. Irgendetwas muss ich doch essen. Es steigt an manchen Tagen ein Gefühl von Resignation und dem Gedanken „ach, ist doch eh alles egal“ auf und das erschreckt mich! Verkenne ich „die Guten“ und unterstütze unwissentlich und verwirrt „die Bösen“?

In meiner Familie habe ich bereits als Kind Müll getrennt, Alu gesammelt und möglichst biologisch, regional und saisonal gegessen. Es wurde repariert, wiederverwertet, verschenkt und geteilt. Das war alles ganz selbstverständlich und noch nicht unter der herorischen Flagge der Rettung der Erde.

Selbst wenn ich mich in meiner Wohnung einsperre, nie wieder Auto fahre, mit meinem Hobby aufhöre und nie wieder in ein Flugzeug steige… ich richte gefühlt die Welt damit zu Grunde einfach nur dadurch, dass ich da bin! Ja, das wird mir durch die Medien vermittelt, wenn ich es zu Ende denken würde. Fakt ist also:

ICH KANN NICHT ALLES RICHTIG MACHEN!

Es gibt ein Buch mit dem Titel „Denken mach traurig“. Ich muss dieses Buch nicht lesen, denn ich weiß, es stimmt, was da drin steht! Ein zuviel an Selbstreflektion und Optimierung kann wirklich unglücklich machen und das nicht nur in Fragen des Konsums!

Es wird Zeit, dass ich mich unbeirrt weiter auf mein mir anerzogenes Konsumverhalten aus meiner Kindheit besinne und danach lebe, wie ich es fast immer getan habe. Ich komme nämlich zu dem Schluss, dass das echt gut war und immer noch ist. Lassen Sie sich nicht irre machen und bleiben Sie ganz einfach stets bemüht. Würden wir das alle tun, gäb es das Dilemma vermutlich nicht. Nun ist es aber da und wir alle sollten nach Möglichkeit so leben, wie es ein altes indianisches Sprichwort sagt: live your life und leave no tracks.

Herzlich Willkommen in der Freiheit

Nikola Knecht

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