Es ist erstaunlich zu beobachten, welche Kompensationsmechanismen der Mensch einsetzt, um sich von seinem eigenen Unglück abzulenken oder sich seiner Verantwortung für sich und durch aus auch der Verantwortung für andere  zu entziehen. Als erstes denken Sie da vielleicht an Sucht. Alkoholsucht, Drogensucht, Spielsucht. Ja. Stimmt. Das sind wohl die bekanntesten, aber auch schon sehr extremen Ausflüchte. Aber auch die Arbeit mit enormen Überstunden, die regelmäßigen Shoppingtouren oder der Freizeitsport, der mit Amateurniveau schon fast nichts mehr zu tun hat, bzw. Risiken eingegangen werden, die gegen jede Vernunft sprechen, zähle ich zunehmend dazu. Ja, da muss man schon etwas genauer hinsehen, um das als Kompensierung zu erkennen und sicher trifft das nicht auf jeden zu.

Bitte, verstehen Sie mich nicht falsch – nicht jeder Freizeitsportler ist gleich unglücklich oder emotional verkappt! Ich kann aber aus eigener Erfahrung sagen, dass meine zweijährige regelmäßige Zeit des mehrfachen wöchentlichen Laufens (was ich im Übrigen schon immer ätzend fand und zwar so richtig!) nichts anderes war, als meinen damaligen inneren unangenehmen Emotionen davon zulaufen. Die waren noch schlimmer, als das Laufen. Da war das Laufen richtig toll, denn da hat sich über die Zeit tatsächlich eine Verbesserung und somit Erfolg eingestellt.

Sobald ich mich vor kanpp 20 Jahren meinen Emotionen gestellt hatte, hörte ich sofort mit dem Laufen auf. Ich brauchte keinen Ablenkung mehr, da ich mich meinem inneren Drama gestellt hatte. Kompensation war nicht mehr notwendig. Das ist vermutlich gut nachvollziehbar. Aber die Kompensationsmöglichkeiten gehen noch viel weiter und können sehr subtil sein…

Wir Menschen sind alle und immer versucht, uns selbst gegenüber anderen so gut als möglich dastehen zu lassen. Jaaaa… auch ich und auch Sie. Je nachdem wie frei innerlich ein Mensch ist und dieser sein Wohlbefinden in keinem sonderlich ausgeprägten Maß über die Gunst der anderen definiert, wenden wir Verhaltensweisen an, die uns selbst ein gutes Gefühl geben.

Etwas direkter ausgedrückt: wir alle manipulieren andere.

Ich habe durch meine Begleitung Einblicke in Familienstrukturen gewinnen dürfen, bei denen sowohl die Verhaltsweisen, als auch die Kommunikation untereinander eine ganz besonder Qualität hatte. Alles zielte darauf hinaus, dass die nicht genannten, aber allen wohl bekannten Verhaltensmechanismen eingehalten wurden, um die immer selben „Wohlfühl-Ergebnisse“ zu erzielen. Auch wenn diese nicht förderlich waren, so gab die permanente Wiederholung des Verhaltens in bestimmten Situation eine sichere Vertrautheit. Hier ist es nicht anders als mein zuvor genanntes Laufen. Die Kommunikation zur „Lösung“ von Themen galt nicht der tatsächlichen Lösung, sondern dem Verschwinden/Unterdrücken von unangenehmen Situationen.

Meister solcher Verhaltsmechanismen und Komunikationsweg sind die, welche sogar noch ihre Empathie soweit außer Kraft gesetzt haben, dass ein sicherer Wall um den eigenen tiefen Graben der unschönen Emotionen gezogen wurde. Der Selbstschutz steht somit an erster Stelle und auf Grund von dadurch entstandener mangelnder Empathie wird über die Emotionen der anderen hinweggefegt, nur um die eigene emotionale Büchse der Pandora nicht öffnen zu müssen. Je manipulativer jemand vorgeht, um so ausgeprägter sind die in diesem Menschen liegenden emotionalen Dramen.

Auch hier schreibe ich nicht nur aus der Erfahrung der Begleitung und der Beobachtung heraus.

Für mich über die Jahre durch mich selbst und meine Klienten bestätigt kann ich nur sagen, dass eine Veränderung der anderen noch nie funktioniert hat. Entdeckt man bei sich selbst die Vermeidung der tiefen unschönen inneren Emotionen, dann beginnen Sie bei sich selbst. Wenn Sie sich als jemanden erkennen, der manipuliert wird, dann gibt es auch hier nur einen Weg: SIE müssen bei sich und in ihrem Leben eine Veränderung kreieren, denn das ist die einzige Möglichkeit für innere Freiheit, Frieden und Selbstständigkeit.

Herzlich Willkommen in der Freiheit

Nikola Knecht

Bilderquelle: PixaBay