Ich habe in der Zeitung Die Zeit einen Artikel über die Zeit gelesen, bei dem der Begriff ZEITAUTONOMIE fiel. ZEITAUTONOMIE. Welch großartiges Wort. Lassen Sie dieses Wort einmal ganz in Ruhe auf sich wirken. ZEITAUTONOMIE. Ich finde, das hat etwas Erhabenes in der Zeit des digitalen Wahnsinns. In diesem Artikel ging es darum, wie sich die digitalen Medien und Kommunikationswege auf uns als Mensch auswirken.

Auf ungleich mehr Kanälen als früher, prasseln ständig Informationen, Anforderungen, Erledigungen und Hinweise auf uns ein und die meisten verhalten sich, als wäre es ein Telefonanruf. Sprich – man antwortet sofort, so als hebe man ein klingelndes Telefon ab und wäre dann dazu verpflichtet in irgendeiner Weise zu antworten. Jedoch ist es bei WhatsApp, Email und Konsorten gar nicht notwendig direkt Stellung zu nehmen. Das weiß sowohl der Absender, als auch der Empfänger der Nachricht und doch verhalten wir uns, als wäre es ein Telefonanruf.

Die meisten Nachrichten erhalten wir heute, im Gegensatz zu früher, in digitaler Schreibweise. Zumindest meine Generation kann sich noch an die Revolution des Faxgerätes im Büroalltag erinnern. Eine sagenhafte Verbesserung zu all den Postmassen, die bis dato, vorallem in Büros, täglich eintrudelten. Aber heute, mit den digitalen Möglichkeiten, wird nun auch jede noch so unwichtige Kleinigkeit über die Verteiler jedem einzelnen versandt, nur um sagen zu können: „ich habe alle informiert, alle wissen Bescheid, ich bin also nicht mehr verantwortlich, wenn es nicht geklappt hat…“

Ich finde, diese digitale Informationsflut verursacht immensen Stress. Und zwar gleich zwei Mal! Zum einen verhalten sich viele von uns wohl noch so, als wäre jede digitale Info wie ein Telefonanruf und man „muss“ sofort antworten und Stellung dazu beziehen. Das ist eine automatisierte Verhaltensprägung, die nicht zwischen Telefon und Email/WhatsApp unterscheiden kann. Und weiter kommt noch ein schlechtes Gefühl dazu, das meiner Meinung nach als Grundlage die Erziehung hat, dass wir bitte zeitnah und freundlich antworten.

Die Folge daraus? Eine doppelte Stresssituation! Und Stress mach bekanntlicher Weise krank!

In Wikipedia wird das Wort Autonomie wie folgt erklärt: Autonomie (altgriechisch αὐτονομία autonomía ‚Eigengesetzlichkeit‘, ‚Selbstständigkeit‘, aus αὐτός autós ‚selbst‘ und νόμος nómos ‚Gesetz‘) bezeichnet man den Zustand der Selbstbestimmung, Unabhängigkeit (Souveränität), Selbstverwaltung oder Entscheidungs- bzw. Handlungsfreiheit.

ZEITAUTONOMIE bedeutet also, dass ich selbstbestimmt über meine Zeit verfüge.

Das schreit nach Freiheit !!!

Ich hatte vor kurzem Geburtstag, bekam wirklich viele Glückwünsche per WhatsApp und ich freute mich sehr und antwortete an diesem Tag auch zeitnah. Aber einen übersah ich und antwortete erst zwei Tage später. Und schon schnappte die Falle zu! Ich fühlte mich schlecht, weil ich ihn übersehen hatte und nun denke, dass er beleidigt oder enttäuscht ist, obwohl er das sicher nicht ist, weil er ein total entspannter Typ ist. Aber trotzdem ist es mir unangenehm… Das ist doch bescheuert!

Dieses Erlebnis und der Begriff Zeitautonomie führten in ernsthaft, tiefer Überlegung dazu, dass ich mich der digitalen Diktatur noch mehr entziehen werden. Haben Sie also bitte Verständnis dafür, dass ich nicht sofort antworte, weil ich noch bewusster selbst über die Einteilung meiner Zeit bestimmen möchte.

Sollten Sie eine andere Erwartung an mich haben, dann bedauere ich das. Aber das ist Ihr Thema und ich werde nicht dazu beitragen, dass ich Ihre oder anderer Leute Bedürfnisse erfülle. Apropos Erwartungen… Je weniger Erwartungen Sie an andere haben, umso weniger Enttäuschungen werden Sie erleben. Das geht jedoch nur, wenn Sie über eine große innere Freiheit auf allen Ebenen Ihres Seins verfügen. Wenn dem jedoch so ist und Ihre Erwartungen an andere sehr niedrig sind, sprich, Sie Ihr Wohlbefinden nicht von anderen abhängig machen, dann wird Ihr Leben großartig. Wie eine Wundertüte, die Ihnen täglich wundervolle Überraschungen liefert.

Herzlich Willkommen in der Freiheit

Nikola Knecht

Bildquelle: PixaBay