Schau ich mir die Welt mit ihren Menschen so an, dann ist ein dickes Plus an Selbstreflektion nicht nur notwendig, sondern dringend erforderlich! Ich bin der Überzeugung, dass das auch immer mehr Menschen tun. Ob es auch die eines Tages tun werden, welche die Geschicke der anderen in ihrer Hand halten…?

Menschen, die meine Begleitung aufsuchen, sind meist schon sehr reflektiert. Es sind vorrangig Frauen. Vielleicht liegt es in unserer Natur und auch in der dadurch meist sehr präsenten und angewandten Empathie, dass Frauen von Haus aus reflektierter sind. Selten begegene ich vergleibaren Männern in meiner Generation. Sind wir doch seit gefühlt ewigen Zeiten von den Männern dazu angehalten unser weibliches Sein und Tun zu überdenken, damit wir uns den männlichen und patriarchischen Vorgaben anpassen. Das klingt zu feministisch? Echt? Naja… okay. Dann bin ich halt Feministin, wenn Sie mich in dieser Schublade haben wollen. Ich sehe mich da nicht. Ich bin in erster Linie Mensch und da unterscheide ich nicht nach dem was man(n) darf und Frau nicht. Ich sehe da die Menschen gleichberechtigt, auch wenn das im Alltag selten der Fall ist. Aber da liegt es an der einzelnen und an dem einzelnen etwas daran zu verändern.

Die Vergangenheit mit ihrer Kultur, den verbundenen Dogmen, dem Unwissen und den daraus resultierenden Benachteiligung der Frau in nahzu allen Lebensbereichen zwang uns, unsere Intuition zu negieren und sich dem von den Männern der alten Generation „gewünschten“ weiblichen Verhalten anzupassen. Nur war das nicht das, was wir waren und sind! Wir Frauen entsprachen einer weiblicher Wunschvorstellung der Männer und negierten unser weibliches Sein mit all der innewohnenden Kraft und der daraus resultierenden Stärken!

ABER WIR FRAUEN FINDEN DAZU ZURÜCK und vorallem die junge Generation lebt das und steht mit ihren bunten, auffälligen und nicht agressiven Demonstrationen gegen das alte männliche Patriachat Seite an Seite mit den jungen Männern ihrer Generation! Ich bin darüber ja so glücklich!

Viele meiner weiblichen Klienten kommen mit einer enormen Selbstreflektion über sich zu mir. Unglaublich! Sie wissen alles von sich und ich meine vermehrt feststellen zu können, dass die immense Selbstreflektion fast schon das Gegenteil von dem erreicht, was es eigentlich sein sollte. Selbstreflektion sollte zu einer Klärung und einer Weite führen, die ein eigenverantwortliches Handeln für sich selbst kreiert und man jede Konsequenz daraus auch tragen kann.

Sehr stark reflektierte Frauen kommen mir immer öfter vor, als würde ihr erkanntes Wissen über sich dazu führen, noch mehr in einer Ecke zu stehen, aus der sie nicht mehr herausfinden. Die Summe der Erkenntnis ist: ich habe so vieles „falsch“ gemacht und nicht richtig für mich gesorgt, dass es unmöglich ist, dass ich mich daraus befreie! Die Selbstreflektion, die nicht von einer neutralen Person begleitet oder profesionell unterstützt wurde, kann daher auch tiefer in das eigene Drama hinein, als hinaus führen!

Lieber Männer, die, welche das hier lesen, möchte ich nun wirklich ausnehmen. Aber all die anderen haben wohl selten das genannte Problem, da sie sich von ihrer Empathie getrennt haben und durch das Negieren ihrer Emotionen sich einen dicken Wall von Selbstschutz aufgebaut haben. Nur so kann ich mir erklären, dass das beschriebene Thema wohl eher ein Frauen- als ein Männerproblem ist.

Auch bei der Selbstreflektion gilt, dass es in der Extreme nicht hilft, sondern schadet. Keine Selbstreflektion ist ebenso nicht hilfreich, wie eine, die an emotionale Selbstsezierung grenzt. Finden Sie die goldene Mitte, die Ihnen die Kraft und den Mut schenkt, sich für sich zu entscheiden. Eigenverantwortliches Handeln führt in die innere Harmonie und Freiheit.

Herzlich Willkommen in der Freiheit

Nikola Knecht

Bildquelle: PixaBay